Alles gute zu Seollal

Das erste Mal das ich es sah, dachte ich schon: die Koreaner übertreiben.
Mir schien es schon lange so, dass hier die Verpackung manchmal wichtiger ist als der Inhalt. Vieles wird doppelt und dreifach verpackt. Am besten Bunt, mit Schleife und dann noch in einer Schicken Tragetasche gesteckt. Na gut. – als ich also sah, dass nun Äpfel, Thunfisch, Öl, Shampoo und weitere Lebensmittel in großen goldenen Kisten verpackt waren dachte ich nun mal, es sei übertrieben… Bis ich den Praktischen Hintergrund verstand. Hier wird an den Festen kein unnötiges Zeug geschenkt, dass keiner braucht. Nein, eine große Packung Shampoo oder vier Liter Olivenöl tun es auch. Damit das ganze feierlich aussieht wird es nun schön verpackt.

Am 10. Februar war es soweit: Seollal, das Mond Neujahr war endlich da. Einige Tagen zuvor standen die Geschenke in den Läden bereit. Am Freitag war der Überdimensionalen Verkehrschaos: denn viele fuhren außerhalb Seoul zu ihre Familien.

Anders als in Europa ist hier der Mondkalender besonders wichtig. Die meisten offiziellen Feiern richten sich nach diesem Kalender. Und bis vor einige Jahren sogar die Geburtstage. Das schwierige damit, ist das diese ganzen Feierlichkeiten nie am selben Sonnen-/Gregorianischen Kalender stattfinden. So ist es ein wenig schwierig zu wissen wann genau alles stattfindet. Es ist jedes Jahr anders!

Gestern den 10. Februar war nun Seollal. Es war super kalt, Johannes und ich haben uns es zuhause gemütlich gemacht als es an der Tür klingelte. Unser Nachbar brachte uns einen Tablett mit Neujahrsuppe (Tteokguk), verschiedene Kuchen und Früchte. Wirklich nett und vor allem Lecker.
Es ist nun so, dass der Koreanische Nachbar der älteste Sohn seiner Familie ist. Wie die Tradition es vorschreibt, trifft sich am ersten Neujahrstag die ganze Familie entweder bei den Eltern oder beim ältesten Sohn um zu feiern. Alle tragen Ihre schönsten Kleider, oft sogar Hanboks, das traditionelle Kleid für die Damen, und Anzug bei den Männern. Die Frau des ältesten Sohn bekocht die ganze Familie. Die Vorfahren werden geehrt, indem die Familienmitglieder einige Speisen auf die Ahnentafel stellen und sich verbeugen. Die Kinder verbeugen sich auch vor den Ältesten und bekommen so etwas Geld in einem Umschlag als Geschenk.
Und so standen circa 10 Autos gestern vor unserer Tür. Einige Männer im Schicken Anzug standen ab und zu draußen um zu rauchen. Nach so viel essen tut es möglicherweise gut nach („gute“) Luft zu schnappen.

Ich habe gelesen, dass diese ganzen Vorbereitungen einen Enorme Last für die Frauen sein können. Sie müssen nämlich so viel kaufen und kochen, dass sie wirklich Tagelang damit beschäftigt sind – und leider sind es meistens nur die Frauen die sich damit beschäftigen müssen.
Eigentlich erinnert es mich ein wenig an Weihnachten in Frankreich. Dort wird auch Tagen zuvor so viel eingekauft und zubereitet damit man essen könnte bis zum Umfallen. Tja, Korea und Frankreich sind nun Länder wo das Essen besonders wichtig ist.
Wer mehr zu Seollal wissen möchte, bitte unbedingt auf folgender Internetseite gehen, es ist wirklich interessant: http://german.visitkorea.or.kr/ger/SI/SI_GE_3_8_1.jsp?gotoPage=1&cid=942096

Dieses Jahr ist es das Jahr der Schlange!
Also zum zweiten Mal im Jahr 2013, wünsche ich Euch allen, liebe Leser, alles Gute fürs neue Jahr!
새해 복 많이 받으세요!

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. herbert koschu
    Feb 11, 2013 @ 15:30:30

    finde ich sehr sehr clever, die Idee hinter dem Schenken . Das hat in der Form in Österreich heute sogar noch bei den alten Leuten hohe Priorität.
    Und feiern können sie auch die Koreaner , einer muss halt immer hart arbeiten,
    meistens mehrere ( ist ja dann lustiger )

    Herbert

    Antwort

  2. eva
    Feb 18, 2013 @ 10:52:37

    hallo Stefi, ich finde das alles sehr interessant. Toll was Ihr alles erlebt! Liebe Grüße Eva

    Antwort

    • stefinkorea
      Feb 19, 2013 @ 23:40:54

      Hallo Eva, vielen Dank für deine Mail. Ich freue mich immer, wenn mein Blog jemand interessiert!
      Ja hier sehen wir vieles und obwohl wir nun schon fast 10 Monate hier sind, gibt es immer noch vieles zu erzählen!
      Gruß
      Stefanie

      Antwort

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